- Der Marktplatz ist der grösste Treffpunkt der Stadt St. Gallen. 95% der städtischen Bevölkerung fühlt sich hier laut einer repräsentativen Umfrage (PDF, 419 KB) sicher. Warum also soll dieser Platz überwacht werden?
- Der Marktplatz: Treffpunkt ≠ Brennpunkt
- Allein die Installation der 36 Kameras kostet CHF 2.48 Mio. an Steuergeldern. Betriebs- und Folgekosten sind nicht bekannt.
- Die Videoüberwachung von öffentlichen Plätzen ist keine wirksame Massnahme gegen Kriminalität. Allfällige Delikte werden höchstens verlagert.
Der Marktplatz: Treffpunkt ≠ Brennpunkt
Neben drei Unterführungen soll auch der Marktplatz Bohl flächendeckend mit Videokameras überwacht werden. Zur Begründung wird angeführt, auf diesem Platz gebe es einen hohen Kriminalitätsdruck, es handle sich um einen sozialen Brennpunkt. Mit dieser Aussage wird der grösste Treffpunkt der Stadt St. Gallen zu einem unangenehmen, ja sogar gefährlichen Ort erklärt. Aber wo könnte es sicherer sein, als an einem Ort, an dem sich so viele Menschen treffen und begegnen? Natürlich, manchmal sind Menschen laut. Und manchmal entsorgen sie auch ihren Abfall nicht, sondern werfen ihn auf den Boden. Aber das ist nicht gefährlich und daran werden Kameras auch nichts ändern. Hauptsache, sie sind da, diese Menschen und können sehen, hören, sprechen und helfen. Kameras können nur sehen. Sie hören nichts, sie sprechen nicht, sie helfen nicht. Wir brauchen sie nicht!
In der Diskussion um die Videoüberwachung wurde immer wieder darauf verwiesen, die Kamerastandorte seien aufgrund einer repräsentativen Umfrage der Stadt St. Gallen aus dem Jahr 2005 gewählt worden. Nach dieser fühlten sich viele Leute am Marktplatz Bohl unsicher, weshalb die Installation der Kameras gerechtfertigt sei.
Nun hat sich herausgestellt, dass sich lediglich 5% der Befragten am Marktplatz nicht sicher fühlen. 95% fühlen sich sicher! Mit der Installation der Kameras vermittelt der Stadtrat nun aber genau dieser grossen Mehrheit das Gefühl, der Marktplatz sei nicht sicher. Sein Ziel, das subjektive Sicherheitsgefühl in der Innenstadt zu erhöhen, führt er so selbst ad absurdum, schafft ein Gefühl von Unsicherheit, macht aus einem Treffpunkt einen sozialen Brennpunkt, einen Angstort. Warum er dies tut, ist nicht verständlich. Die 95% der Befragten, die sich am Marktplatz sicher fühlen, irren nämlich nicht. Dies zeigen Zahlen, welche die Stadt nach mehrfachem Insistieren von Seiten der Kameragegner endlich vorgelegt hat. Am Marktplatz, diesem grossen Platz, wurden im Jahr 2006 lediglich 23 Straftaten verzeichnet. Dies entspricht ca. 1.5 % der in der Stadt St. Gallen begangenen Delikte. Bei einer solchen Sachlage von einem erhöhten Kriminalitätsdruck am Marktplatz zu sprechen, ist übertrieben!
Am Marktplatz Bohl braucht es keine Kameras. Er soll weiterhin Treffpunkt und Begegnungsort bleiben, an dem es sich unbeschwert verweilen lässt, ohne immer das Gefühl von Überwachung und Kontrolle im Hinterkopf haben zu müssen.